Nomaden der Lüfte

Im Herbst ergabt sich durch Zufall eine Lücke in meinem Dienstplan von etwas mehr als einer Woche. Schnell war klar, dass ich diese Woche nicht im herbstlichen Berlin verbringen möchte. Bei meinen Überlegungen lacht mich mein in einer Ecke geparkter Gleitschirm an und spricht leise zu mir, lass uns fliegen gehen.

Somit ist die Entscheidung nach der Richtung der Reise schnell gefallen. Es geht in die Berge! Jetzt muss nur noch das Wetter und vorhandene, fliegbare Gebiete gecheckt werden. Da für den ersten Tag ein Besuch in Ulrikes Heimat Dresden ansteht fällt die Überlegung zuerst auf das Riesengebirge. Bei der Anreise liegt Dresden quasi auf dem Weg. Nach etwas Recherche zu den Fluggebieten verwerfe ich diese Idee wieder und konzentriere mich lieber auf die Fluggebiete der Alpen. Der Plan ist also, das Wochenende in Dresden bzw.. Radebeul zu verbringen, bevor es für mich alleine weiter in die Alpen geht. Als Reisefahrzeug entscheide ich mich wegen der etwas höheren Reisegeschwindigkeit für den Bulli und gegen Ludwig. Zumal es in den Fluggebieten der Alpen oft etwas eng für Ludwig wird.

So verlassen wir zu zweit Berlin in Richtung Süden und steuern einen Stellplatz ,den wir zuvor im Stellplatz-Radar ausgemacht haben, in Radebeul an. Der Stellplatz liegt sehr schön auf dem Gelände eines Kanuclubs direkt an der Elbe. Zum Abendessen geht es in einen schönen Weingarten im direkt angrenzenden Ort Kötzschenbroda.

Den Abend lassen wir mit unseren Stellplatznachbarn am Lagerfeuer ausklingen.

Am nächsten Morgen steht ein Brunch mit Freunden aus Ulrikes Jugend auf dem Plan. Danach wollen wir die Weinberge rund um Radebeul mit unseren Wanderschuhen unsicher machen. Zuerst geht es auf den Steinrücken und weiter über das Lößnitztal zum Weingut Hof Lößnitz.

Im Radebeuler Lößnitztal fährt noch eine traditionelle Schmalspurbahn mit Dampflokomotive. Leider schaffen wir es nicht eine Fahrt mit der Bahn zu unternehmen. Der Fahrplan ist sehr eingeschränkt und man sollte es frühzeitig in die Planung mit aufnehmen.

Den Nachmittag lassen wir auf dem Hof Lößnitz bei Flammkuchen und Neuem Wein ausklingen.

Unsere gemeinsame Reise endet nach nur zwei Tagen am Dresdener Hauptbahnhof. Ulrike die am darauffolgenden Tag wieder ins Büro muss besteigt einen Fernbus nach Berlin und ich mache mich auf den Weg weiter nach Süden. Mein Ziel für heute Abend ist die Region um Rosenheim. Für den nächsten Tag ist für die ganze Alpenregion kein Flugwetter vorhergesagt. Nach einer etwas längeren als geplanten Fahrt und einer gesperrten Autobahn erreiche ich erst spät Bad Aibling und finde am Kurpark eine gute Übernachtungsmöglichkeit.

Nach einem entspannten Frühstück am nächsten morgen mache ich mich im strömenden Regen auf den Weg nach Kössen, einem sehr guten und beliebten Fluggebiet der Nordalpen. Dort quartiere ich mich gegen meine Überzeugung auf dem 4 Sterne Campingplatz ein. Größtes Argument für den Campingplatz war die auf dem Platz vorhandene Sauna mit Pool. Somit kann ich gut die Zeit des Wartens totschlagen.

Am nächsten morgen erwartet mich erwartungsgemäß feuchtes Wetter mit Hochnebel. Erst gegen Mittag kommt die Sonne durch und gibt den Blick auf den Startplatz frei. Nach zwei sehr schönen Flügen endet der erste Flugtag dieser Reise an der Fliegerbar.

Da am kommenden Tag bereits wieder eine Störung in Form einer Kaltfront vorhergesagt ist mache ich mich auf den Weg nach Süden auf die Alpensüdseite. 

Meine erste Anlaufstelle ist Silian im Hochpustertal. Hier habe ich Fliegen gelernt und hierher komme ich gerne zurück. Nach einem leckeren Abendessen bei der „Silianer Wirtin“ nächtige ich am Landeplatz. In Silian besteht im Herbst die größte Hürde bei der Auffahrt auf den Berg. Die Bergbahnen sind zu der Jahreszeit bereits in Revision und bereiten sich auf die Wintersaison vor. Wenn die örtliche Flugschule Schulungen hat, kann man mit denen und ihrem Flugschulbus für einen kleinen Obulus auf den Berg fahren. Also ist an dem Morgen meine erste Anlaufstelle die Flugschule „Bluesky“ im Ortskern von Silian. Leider gibt es aktuell keine Schulungen und somit für mich auch keine Möglichkeit kraftschonend auf den Berg zu kommen.

Ich entscheide mich nach einem zweiten Frühstück für die Weiterreise nach Greifenburg in Kärnten. Unterwegs mache ich noch einen Stop in Lienz. In der Nacht musste ich feststellen dass meine Stirnlampe den Geist aufgab. Somit beschaffe ich mir in einem der zahllosen Outdoorläden in Lienz eine neue. Bei der Weiterfahrt nach Greifenburg bemerke ich auf einem Parkplatz eines Supermarkts den grünen Laster von HippieTrail. Michaela und Torben sind mit ihren beiden Kindern gerade auf Langzeitreise Richtung Saudi Arabien unterwegs. Die Gelegenheit nutzte ich natürlich für einen Austausch. Für sie geht die Reise weiter nach Slowenien und für mich entlang des Drautals nach Greifenburg.

In Greifenburg ist die erste Anlaufstelle das Fliegercamp direkt neben dem Landeplatz. Erwartungsgemäß ist das Camp recht leer. Außer mir sind nur noch 4 weitere Flieger im Camp. Schnell bildet sich eine Gemeinschaft und die Organisation eines Shuttles wird übernommen. 

Die Infrastruktur für Greifenburg ist unschlagbar. Ein örtliches Taxiunternehmen hat sich auf den Transfer der Piloten auf den Berg spezialisiert und das Fliegercamp bietet allen Luxus den man benötigt. Highlight ist der angrenzende Badesee, allerdings bei Temperaturen unter 10° C keine Option für mich.

Nach tollen Flügen in Greifenburg und einer erneut aufziehenden Front entscheide ich mich wieder auf die Alpennordseite zu fahren. Das verkürzt auch meinen Rückweg nach Berlin in zwei Tagen um 3-4 Stunden. Diesmal stehen Kössen und das Brauneck in Lenggries zur Auswahl. Die Entscheidung fällt aus Bequemlichkeit wieder auf Kössen.

Diesmal ist fliegerisch nicht viel möglich. Außer ein paar Abgleitern gelingt mir nichts. Die Tage beginnen auch recht spät. Die Feuchtigkeit der Nacht hält sich immer länger in Form von Hochnebel. Somit stehen morgens ausgiebige Wandertouren auf die umliegenden Berge auf dem Programm. Der Gleitschirm wird dabei bei der Bergstation oder einer Hütte deponiert. Für den Weg ins Tal nutze ich dann statt dem mühsamen Abstieg den Schirm und fliege entspannt ins Tal. Die ersten Hike n’ Fly versuche. Mit einer etwas leichteren Ausrüstung ist das eine Spielart des Gleitschirmfliegens die mir durchaus gefalle könnte.

Nach 10 Tagen und einer 7h Autobahnfahrt komme ich wieder in der lärmenden Großstatt an. Die nächsten Monate bin ich stark in die Arbeit eingebunden und muss somit eine lange Durststrecke überstehen bis ich das nächste mal in die Berge komme.

Fazit zu diesem Roadtrip mit Flugeinlagen?

Dank einschlägiger Wetterapps, Windfinder und dem Angebot von Austrocontrol kann man sich wettertechnisch bei einer solchen Reise mobil wunderbar informieren. Somit fällt es einem recht leicht das richtige Fluggebiet ausfindig zu machen. Die kurzen Schlechtwetterperioden ließen sich wunderbar zum Standortwechsel nutzen. Dank der guten Infrastruktur der Alpen ist man bei einem Wechsel von der Alpennord- zur Südseite nie wirklich länger als 3h unterwegs. Nur bei einem Wechsel von Ost nach West wird es schwieriger.

Ein Bayer wird preußisch – der Ludwig zieht nach Berlin

Nachdem Ludwigs Schrauber-Papa seit über zwei Jahren seinen Lebensmittelpunkt in den kühlen Norden verlegt hat, litt der Ludwig im Süden zunehmend unter Aufmerksamkeitsdefizit. Eine neue Behausung im Berliner Umland muss her! Nach einigen Monaten der Suche ist dieser im Norden von Berlin, in Sachsenhausen gefunden. Das Beste ist, dass der Ludwig hier in bester Gesellschaft mit 4 weiteren 4×4-Lastern stehen wird.

So kam es, dass der Ludwig am 30.08.19 das letzte Mal aus der Bexbacher Halle fuhr.

Good by Bexbach

Um aber noch einmal die Vorzüge Süddeutschland in vollen Zügen zu genießen, ging es nicht auf direktem Weg in die Bundeshauptstadt, sondern zunächst zum Fernreisemobiltreffen nach Enkirch, wo zusammen mit zahlreichen anderen Offroad-Fans am Schwenker bei einem guten Glas Mosel Reisepläne geschmiedet wurden.

Nach einem etwas schmerzhaften Tankstopp ging es dann auf Deutschland-Reise.

Unsere Überführungstour führte uns über das Ruhrgebiet, das Steinhuder Meer und Niedersachsen schließlich in den wilden Osten, wo wir bei einem Mittagszwischenstopp die Spuren einer undichten Stelle am Düsenstock entdecken (Bericht folgt in der Schrauberecke)

Schreuberstopp

und entfernen mussten und schließlich bei Havelberg über die Havel, auf brandenburgischen Alleen,

wo Ludwig dann endlich seinen neuen Schlafplatz einnehmen konnte.

zu Hause in Oranienburg

by Ulrike Richter

Eine kleine Runde Schwaben!

Diese Etappe führt mich in einer großen Runde durch Schwaben über den Schwarzwald ins badische Rheintal und weiter über das Elsaß ins Saarland.

Aber erst einmal von vorne. Ich beginne meine Etappe in Günzburg und dem dortigen Legoland. Gemeinsam mit Lucky, dem reisenden Labrador mache ich mich auf den Weg Richtung Süden. Das erste Etappenziel heißt Bad Waldsee.

Jeder der schon einmal auf einem europäischen Campingplatz war wird in irgendeiner Form Kontakt mit der Firma Hymer oder einer ihrer 20 Tochterunternehmen gehabt haben. Die Ursprünge dieses größten europäischen Reisemobilherstellers liegen hier in Bad Waldsee. Hier gründet Erwin Hymer zusammen mit Erich Bachem sein Unternehmen was bis heute als Erich Hymer Group besteht. Dieser schwäbischen Erfolgsgeschichte ist es zu verdanken, dass wir heute in Bad Waldsee das Erich Hymer Museum besichtigen können.

Das Museum hat neben den ersten Hymermobils auch Exponate von anderen bedeutenden Herstellern sowie Prototypen oder Selbstausbauten ausgestellt. Es ist ein wirklich gut sortiertes Museum. Wie auf einer Zeitschiene reist man von Repliken der ersten Wohnwagen bis zu Studien autarker Reisemobile der Zukunft. Auf jeden Fall ist es ein Stop wert, wenn man in der Nähe ist.

Da wir zu spät für einen ausgiebigen Museumsbesuch ankommen entscheide ich erst einmal einen Übernachtungsplatz für uns zu finden. Angeblich gibt es auf dem Gelände der Erwin Hymer Werke einen Stellplatz. Allerdings finden weder ich noch mein GPS den Stellplatz und so entschließe ich mich weiter Richtung Zentrum etwas zu suchen. Jeder der schon einmal in Baden-Württemberg oder der Bodenseeregion im Besonderen versucht hat frei zu stehen weiß wie schwer das ist. An nahezu allen Parkmöglichkeiten stehen Verbotsschilder die das Parken nach 22 Uhr verbieten. Am Ende landen wir auf dem Wohnmobilstellplatz an der Bad Waldsee Therme. Der erste Anblick schreckt mich sofort ab! Fein säuberlich aufgereiht stehen hier die weißen Joghurtbecher in Reih und Glied. Auf den zweiten Blick gefällt es mir dann etwas besser. Für Lucky ist direkt angrenzend ein großes Waldstück und für sein Herrchen die Bad Waldsee Therme. So entschließe ich mich hier eine Nacht zu verbringen. Von unseren Nachbar bekommen wir in den nächsten 24h so gut wie nichts mit. Dafür kann ich abends bewundern wie überall aus den Reisemobilen wild flimmerndes Licht scheint. Nach einem ausgiebigen Spaziergang mit Lucky darf der sich in Ludwig ausruhen und für mich geht es in die Therme.

Mich zieht es natürlich direkt in den Saunabereich der Therme. Somit lasse ich die Solebecken alle links liegen. Der Saunabereich ist gerade erst eröffnet worden und so präsentiert er sich noch etwas spärlich. Überraschender Weise gibt es auch keinen Gastrobereich. Dafür kann man sich kostenlos mit Kaffe und Tee sowie Wasser selbst versorgen. Ein Konzept was mich erst einmal etwas verwunderte, aber im Laufe des Abends gewöhnte ich mich dran. Erst spät Abends kam ich Müde zurück zu Ludwig und musste schmunzeln, dass noch immer dieses grelle flimmernde Licht aus den restlichen Reisemobilen schien.

Am kommenden Morgen wurde erst einmal Bad Waldsee begutachtet. Es ist ein wirklich schöner Ort mit tollem altem Fachwerk und vielen kleinen Geschäften. Vielleicht fragen sich jetzt die einen oder anderen was daran so besonders ist. Wenn man aber auch Berlin kommt, dann freut man sich über so etwas! Nach der Ortsbesichtigung war nun das Erwin Hymer Museum an der Reihe. Ich muss sagen es hielt was es verspricht! Besonders begeistert hat mich der VW T1 von Jürgen Schultz der noch mit Originalausrüstung von der letzten Reise nach Afghanistan im Museum steht.

Nach dem Museumsbesuch zieht es uns dann gleich weiter Richtung Süden. Das Ziel für heute ist der Bodensee. Leider fing es den Tag über an zu regnen. Somit habe ich keine zu großen Erwartungen an das schwäbische Meer. Von Bad Waldsee ist es nur ein Katzensprung bis man den See in der Nähe von Friedrichshafen erreicht. Ich entscheide mich, da die weitere Reise eh nach Westen geht auch dem Nordufer nach Westen zu folgen. In den bekannten Orten Meersburg und Überlingen finden wir keinen Parkplatz und so folgen wir dem Nordufer immer weiter, bis wir in Radolfzell ankommen. Dort zeigt uns gleich am Ortseingang ein Hinweisschild den Weg zu einem Wohnmobilsstellplatz. Dieser befindet sich auf einer Halbinsel, der sogenannten Mettnau. Zu meiner Überraschung sind alle Parkautomaten außer Betrieb und somit stehen wir diese Nacht kostenlos.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang mit Lucky über die Mettnau mache ich mich auf den Weg ins Zentrum von Radolfzell. Was mir sofort positiv auffällt sind die wenigen Touristen hier in der Stadt. Radolfzell steht im Schatten von Kostanz und ist somit deutlich weniger touristisch erschlossen. Als Kurort sind hier eher die Kurgäste der Messerkliniken in der Überzahl. Wegen dem noch immer schlechten Wetter zieht es mich nich so weit durch die Stadt und ich verziehe mich lieber in ein Café. Bei einem leckeren Café beschließe ich, dass ich hier bestimmt nicht zum letzten Mal war. Radolfzell und Konstanz soll noch eine Chance bei Sonnenschein bekommen. Am späten Abend zurück im Ludwig studiere ich die Wetterkarten für die nächsten Tage. Aus dem Nieselregen soll in der Bodenseeregion und dem angrenzenden Allgäu sintflutartiger Starkregen werden und der DWD warnt vor örtlichen Überschwemmungen. Somit steht für mich der Plan fest! Ich quere die herannahende Front und mache mich auf den Weg durch den Schwarzwald ins badische Rheintal und das Breisgau.

Die Nacht in Radolfzell regnet es in strömen und so macht mir die Stadt den Abschied etwas leichter. Flotten Tempos geht es über Singen und Villingen Schwenningen Richtung Schwarzwald. Den quere ich über die B31 vorbei an Titisee-Neustadt und durchs Höllental bis nach Freiburg. Dort fahre ich einen Campingplatz mit angeschlossener Saunalandschaft an. Während der zweiten Saunarunde in drei Tagen und noch immer bescheidenem wenn auch nicht mehr so feuchtem Wetter beschließe ich als nächstes dem Saarland einen weiteren Besuch abzustatten. Die freien Tage sind auch gezählt und Termine treiben mich die kommende Woche wieder nach Berlin. So kann Ludwig im Saarland entspannen während ich mich mit dem Flugzeug auf den Weg nach Berlin mache.

Meine gesamte Süddeutschlandtour führte mich in 4 Wochen über 3000km durch Baden-Württemberg und Bayern. Angefangen hat alles im Schwarzwald und der folgenden Adventure Southside in Eigeltingen. Der Kreis schließt sich also mit meiner letzen Etappe von Radolfzell über Freiburg ins Saarland. Mir zeigte diese Reise wieder einmal was für ein tolles Reiseland Deutschland sein kann. Ganz einsam wird man nie sein und im Sommer ist es in den Bergen fast nicht möglich den Touristenströmen zu entgehen, doch trotz allem findet man immer wieder idyllische Orte zum entspannen und eine Infrastruktur für Reisende wie sonst in keinem anderen europäischen Land südlich der Ostsee.

Wenn euch meine Reise inspiriert hat, dann macht euch gleich im Frühjahr auf den Weg! Entdeckt Deutschland und lasst es mich wissen, was ich nicht gesehen habe oder was euch von meinen Erzählungen gefallen hat.

Von der Blauen Adria in die Höhen des Allgäus

Von der Blauen Adria in die Höhen des Allgäus

Da ich nach der diesjährigen Adventure Southside eh gerade im Süden Deutschlands war entschied ich mich den südwestdeutschen Regionen nochmal einen Besuch abzustatten.

So führt mich meine nächste Reise mit Feline erst ins Rhein-Neckar Gebiet. Dort lockt uns eine Region mit dem Namen „Blaue Adria“. Natürlich sind wir neugierig wollen heraus finden ob das Wasser in den Kiesseen des Rhein genauso blau ist wie die Adria.

Erst am Nachmittag erreichen wir den gleichnamigen Campingplatz an der „Blauen Adria“.
Der Platz ist zwar recht alternativ was mir persönlich ganz gut gefällt, aber sowohl das Publikum unter den Dauercampern als auch alle Einrichtungen sind äußerst Grenzwertig. So ist für uns relativ schnell klar, dass es uns am nächsten Tag weiter zieht.

Trotzdem müssen wir das mit dem Wasser noch klären. Nach dem Parken schlüpfen wir schnell in unsere Badesachen und machen uns auf den Weg zur Adria. Diese ist wirklich so blau und nur einen Steinwurf entfernt. Wir verbringen sehr schöne Stunden in und an dem Baggersee, bis die Sonne tief steht und wir uns zum Abendessen in ein kleines Restaurant direkt am See zurück ziehen.

Trotz der schönen Stunden am Vortag zieht es uns am nächsten Morgen weiter. Noch am Abend entschieden wir uns nach Tripsdrill, ein kleiner Ort im Schwäbischen mit großem Freizeitpark zu fahren. Der Wild- und Freizeitpark Tripsdrill hat einen eigenen kostenlosen Wohnmobilstellplatz dem wir aufgrund der Lage direkt am Freizeitpark eine Chance geben wollen. Der Platz ist gut ausgeschildert und deswegen auch schnell gefunden. Eigentlich ist der Stellplatz nur eine große Wiese mit sehr wenig Baumbestand und damit auch wenig Schatten. Das sind ausgerechnet in der heißesten Woche des Jahres nicht unbedingt perfekte Vorraussetzungen. Dennoch bleiben wir und finden ein schönes Plätzchen. Was uns verwundert, dass auf der riesigen Wiese alle Wohnmobile fein aufgereiht zusammen stehen. Dieses Phänomen begleitet uns noch öfter auf unserer Reise durch Deutschland.

Vom Stellplatz sind es nur wenige Meter zum Wildpark, somit statten wir dem noch am Ankunftstag einen Besuch ab. Wir sind beide begeistert was man hier in diesem kleinen Ort aufgebaut hat. Der Wildpark kann locker mit den großen Parks der Republik mithalten. Wir verbringen den ganzen Tag bis zum späten Abend in dem weitläufigen Gelände mit allmöglichen Wildtieren, einer wirklich sehenswerten Greifvogelschau, Bärenfütterung und einer großen Auswahl an Abenteuerspielplätzen. Nach dem Abendessen fallen wir Tod müde in unser Bett.

Auch dem Vergnügungspark Tripsdrill wollen wir einen Besuch abstatten und so sind wir am nächsten morgen schon früh auf den Beinen um möglichst viel Zeit in dem Freizeitpark zu haben.
Auch dieser hält locker bei den großen Parks mit. Feline will alle für ihre Größe möglichen Fahrgeschäfte ausprobieren. Somit sind wir wieder den ganzen Tag auf den Beinen. Viele Fahrgeschäfte müssen wir Mehrfach besuchen und es ist für Feline fast nicht möglich sich am Abend von den vielen tollen Sachen loszureißen.

An diesem Abend schafft sie es nicht einmal mehr ins Bett und schläft schon vor Ludwig in der Wiese ein. Nach diesen tollen Tagen im schwäbischen wird es wohl schwer das auf unserer weiteren Reise zu topen und Feline redet noch den rest des Jahres über ihre Erlebnisse in Tripsdrill.

Nach den drei anstrengenden und doch sehr erholsamen Tagen ziehen wir weiter in Richtung Berge. Wir wollen dem Allgäu einen Besuch abstatten. Für die nächsten Tage haben wir uns die Schlösserregion rund um Füssen vorgenommen. Als erstes fällt uns auf, dass diese Region in den Sommermonaten deutlich voller ist wie erwartet. An einen freien Übernachtungsplatz brauchen wir auf Grund von vielen Verbotsschildern garnicht erst denken. So wir die Suche nach einem Nachtplatz schon sehr kräftezehrend. Stellplätze sind meist völlig überfüllt und die Campingplätze teuer und sehr touristisch. Letzten Endes ziehen wir den kürzeren und quartieren uns auf dem Campingplatz Bannwaldsee ein. Wir sind eins der wenigen Wohnmobile auf diesem Platz zwischen all den Wohnwagen. Die fein säuberlich abgegrenzte Parzelle ist gerade so groß, dass unser Ludwig drauf Platz findet. Beim befahren des Campingplatzes stelle ich fest, dass ich vor vielen Jahren schon einmal mit dem Bulli auf dem Platz nächtigte, da war er allerdings bei weitem nicht so überlaufen. Ein großer Wehmutstropfen ist die direkte Nähe zum Bannwaldsee. In den springen wir auch direkt nach der Ankunft. Wir fühlen uns hier wirklich unwohl und werden oft hämisch auf unser Reisegefährt angesprochen. So entscheiden wir uns nach dem morgigen Besuch des Tegelbergs einen neuen Nachtplatz zu suchen.

„Papa ich will auf den Berg“, so werde ich von Feline geweckt. Da wir eh den Nachtplatz wechseln wollen fahren wir mit Ludwig zum Parkplatz der Talstation des Tegelbergs. Dort angekommen ist Felines Tatendrang nach Outdooraktivität doch nicht mehr so groß und sie möchte lieber mit der Bergbahn fahren. Zähneknirschend stimme ich zu und wir buchen eine Berg- und Talfahrt aber mit dem Versprechen den Berg wandernd zu erkunden.

Nachdem wir mit einer Masse Bergtouristen aus der Gondel ausgespuckt werden starten wir unsere Wanderung auf eine nahe gelegene Hütte. Nach einer leckeren Brotzeit und einem tollen Ausblick auf ein aufziehendes Gewitter machen wir uns auf den Weg zurück zur Bergstation. Jetzt um die Nachmittagszeit wollen viele Bergtouristen, Bergwanderer und Bergsteiger zurück ins Tal. Wohl auch wegen dem aufziehenden Gewitter müssen wir lange anstehen. Als wir endlich an der Reihe sind stellt die Bergbahn wegen dem sehr nahen Gewitter den Betrieb ein und wir suchen Schutz in einem Bergrestaurant.

Sowohl für Feline als auch für mich ist es das erste Mal dass wir ein Gewitter auf einem Berg aussitzen müssen. Als das Gewitter direkt über uns zieht ist dies Sachkundeunterricht zum Anfassen! Erst nach über zwei Stunden könne wir den Weg zurück ins Tal antreten.

Zurück im Tal machen wir uns erneut auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Das stellt sich wieder einmal als schwieriger heraus als erwartet. Alle Stellplätze in Füssen sind überfüllt und auch die Campingplätze an den umliegenden Seen sind belegt. Nur auf dem Campinglatz „Froggensee“ finden wir noch einen Platz was sich als absoluten Gewinn raus stellt. Dieser Platz überzeugt uns mit sehr lässigem Publikum und einem tollen See direkt vor der Tür. Zu unserer Freude gibt es auch ein tolles Wirtshaus direkt neben dem Campingplatz, in dem wir den Tag beenden können und noch viel über das erlebte auf dem Berg sprechen.

So langsam wird es Zeit die volle Region um Füssen zu verlassen und uns ruhigere Plätze zu suchen. Diese finden wir nur wenige Kilometer entfernt in Nesselwang. Ein entspannter Stellplatz direkt am Berg, fussläufig zum kleinen Ort und viele tolle Erlebnisse für Feline machen diesen Ort für uns perfekt um die letzen Tage dieses Reiseabschnitts zu genießen. Die Tage vergehen mit Bergwandern, Sommerrodelbahn und Schwimmbad wie im Flug. Als das Wetter sich deutlich verschlechtert machen wir uns auf den Weg zur nächsten Etappe der Reise. Feline wird das Legoland in Günzburg besuchen und ich will mir die Bodenseeregion nach vielen Jahren nochmal anschauen.

Kurze Flucht

Kurze Flucht

Von Luchsen und Abenteuern!

 

Im Sommer standen drei unverplante Woche im Kalender. Da stellt sich dann die Frage was kann man in drei Wochen sehen und erleben. Wieder einmal auf den Balkan wollte ich nicht, die Anreise nach Skandinavien war mir zu weit und Spanien war mir im Sommer zu heiß. Praktisch wenn genau zur Planung Freunde ums Eck kommen mit der Idee sich auf der Adventure Southside in Eigeltingen am Bodensee zu treffen. Somit stand das Reiseziel fest. Es geht in den Süden, nämlich den Süden Deutschlands. Bis zur Adventure Southside habe ich noch fast eine Woche Zeit, so entscheide ich mich noch für ein paar Tage im schönen Schwarzwald. Der hat es mir mit seiner Ruhe bei meiner letzten Reise im April eh angetan. Leider musst ich relativ schnell feststellen, dass der Schwarzwald in der Hochsaison nicht wirklich ruhig und entspannt ist. Somit war für mich schnell klar, dass die touristischen Hotspots nicht in Frage kommen. 

 

Ein schönes ruhiges Camp habe ich dann in Schönwald gefunden. Eher aus Verzweiflung keinen freien Nachtplatz zu finden bin ich in Schönwald der Beschilderung zum Lynx Camp gefolgt. Von der Hauptstraße zweigt der Weg auf kleinen Straßen ab und ich überlege schon ob es eine gute Idee war mit dem Dicken den Schildern zu folgen. Nach einer Weile kommt das Ziel in Sicht. Wie sich später herausstellt ist das Lynx Camp zu diesem Zeitpunkt neu eröffnet und befindet sich auf ehemaligen terrassenförmig angelegten Tennisplätzen. Die Betreiber, eine junge Familie sind sehr nett. Ich fühle mich auf anhieb heimisch und gut aufgenommen. Das Camp kann nur jedem empfehlen, der auf der Suche nach einem alternativen Campingplatz mit allen Annehmlichkeiten ist. www.lynx.camp

Nach meiner kurzen aber sehr schönen Zeit in Schönwald verlasse ich den Schwarzwald nach Osten. Das nächste Ziel heißt Eigeltingen und die dort stattfindende Adventure Southside.

 

Über Villingen ist es ein nur recht kurzer Weg bis Eigeltingen und somit erreiche ich den Empfangsbereich der Messe recht früh am Mittag. Da es erst Freitag ist und die Messe erst am gleichen morgen begann gehe ich davon aus noch große Auswahl auf der Camp Area der Messe zu haben. Da sollte ich mich täuschen! Die Camp Area ist in mehrere Wiesen in einem langen Tal eingeteilt, somit kann der Veranstalter je nach Aufkommen das Camp vergrößern. Als ich ankomme sind nur noch Plätze auf der letzten Wiese frei. Der Andrang ist enorm, obwohl die Adventure Southside erst zum zweiten mal stattfindet.

 

Da ich als Camp Gast ein Mehrtagesticket für die Messe habe entschließe ich mich nach dem Durchzug eines Schauers mir die Messe im Schnelldurchgang anzuschauen. Am nächsten Tag wollen meine Freunde von www.takemetonature.de hier aufschlagen und so hebe ich mir die Highlights für unseren gemeinsamen Besuch auf.

Die Atmosphäre auf der Camp Area ist sehr entspannt im Vergleich zu den großen Messen. Ab den Abendstunden lodert vor unzähligen Campern ein Lagerfeuer und die Gespräche über die letzte oder noch bevorstehende Reisen dauern bis spät in die Nacht. Vor allem mein Nachbar mit seinem Hilux wird von Wein zu Wein redseliger. Somit erfahre ich an diesem Abend aus erster Hand alle Einzelheiten über Namibia und seine Bewohner. Vielleicht sollte ich mal über eine Verschiffung nachdenken, meine bisherigen Namibiaerfahrungen beschränken sich auf eine Woche im Miet-Landcruiser.

 

Der nächste Tag verwöhnt uns mit Sonne pur. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten finde ich auch Andrea und Manuel von „Take me to nature“. Auf Grund des großen Andrangs hat der Veranstalter eine zweite Camp Area eröffnet und somit stehen wir leider nicht zusammen. Dies soll aber der Stimmung am Abend keinen Abbruch tun.

Den Tag verbringen wir auf der Messe oder auf teilweise guten Vorträgen in der Lochmühle, einer Schaumühle direkt neben dem Messegelände. Die Messe ist überschaubar aber sehr gut sortiert! Wer hier eine zweite Abenteuer Allrad erwartet wird enttäuscht sein, aber trotzdem ist die Adventure Southside eine Reise wert. 

Das Abendprogramm beginnt im Steinbruch der Lochmühle mit einem BBQ und Livemusik. Wir verziehen uns aber relativ schnell vor den Landi von Andrea und Manuel. Bei leckerem Grillfleisch und kühlem Bier nimmt der Abend einen feucht fröhlichen Verlauf. Nur der Rückweg über steile Abhänge zurück zu Ludwig sind weniger fröhlich.

 

Da Sonntags großer Abreisetag ist zieht es auch mich weiter. Mein nächstes Ziel das Allgäu. Dazu aber mehr im nächsten Bericht.

Mit der Kraft der Sonne, Aufbau einer einfachen Solaranlage

Ludwig fängt jetzt die Sonne ein!

Heute berichte ich über die neue Solaranlage mit der nun Ludwig auch für mehrere Tage autark ist.
Im Vorfeld standen viele Überlegungen und Recherchen an. Die wichtigste Frage vorweg: Wie groß muss die Solaranlage sein. Da gibt es Aussagen von 60W bis 300W oder gar 400W. Das ist natürlich sehr stark davon abhängig wieviele und wie große Verbraucher ich betreiben will. Habe ich z.B. einen großen Spannungswandler verbaut und betreibe damit jeden morgen eine Kaffeemaschine oder sogar ein Cerankochfeld, dann benötige ich natürlich eine deutlich größere Anlage.

Ich entschied mich für eine 100W Anlage. Das entspricht der Standardgröße für handelsübliche Wohnmobile. Da ich nur einen Kühlschrank, wenige LED Lichter und im Winter eine Diesel-Wasserheizung betreibe sollte diese Anlage genügen. Im Sommer kann ich damit auch noch einen kleinen Wechselrichter zum laden des Laptops nutzen. Da ich derzeit noch keinen Dachträger auf dem Laster habe entschied ich mich für eine mobile Lösung.

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Das 100W Panel habe ich direkt beim Hersteller Prevent Germany bestellt. Für 95€ kam ein gut verarbeitetes Panel an. Die 100W Panele kann man in zwei verschiedenen Größen bestellen. Ich entschied mich aus Platzgründen für ein schmales längeres. Am Panel ist ein 1m Anschlusskabel mit MC4 Solarstecker.
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Als weiteres Bauteil benötigt man einen Solarregler. Dieser regelt die Spannung vom Panel kommend auf die benötigte Ladespannung herunter. Ich entschied mit für einen hochwertigen MPP Solarregler von Votronic. Diesen Solarregler habe ich im Elektroschrank nahe der Wohnraumbatterie bei den üblichen Ladegeräten verbaut. Nun noch eine 4qmm Leitung zum Sicherungsblock legen sowie Masse an den Shunt und fertig ist der Anschluss des Reglers. Da mein Regler auch die Boardbatterie mit einer Erhaltungsladung laden kann, habe ich noch ein Kabel mit niedrigerem Querschnitt vom Regler zur Boardbatterie gezogen.

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Vom Regler führe ich 6qmm Kabel durch die vordere Kofferwand nach draußen. Abgedichtet wird alles mit einer Dachdurchführung. Außen lasse ich die Kabel 5cm über die Dachdurchführung über stehen und versehe die Enden auch mit MC4 Solarstecker. Wichtig ist auf Plus und Minus zu achten, da die Stecker verpolungssicher sind.

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Um nun das Solarpanel an den Regler anschließen zu können bedarf es noch einem Verbindungskabel zwischen Panel und dem Anschluss am Koffer. Dazu benutze ich 7m vom gleichen 6qmm Solarkabel. Ich habe extra ein so langes Kabel gewählt, damit ich das Panel flexibel an mehreren Orten rund um den Laster aufstellen kann. Nun ist es im Sommer auch möglich im Schatten zu parken und das Panel in die Sonne zu stellen um eine bessere Ausbeute zu bekommen.

Zum Transport schiebe ich das Solarpanel in eine Halterung an der Kofferwand. Das Kabel kommt zu den übrigen Verlängerungen und ist somit immer griffbereit. Beim anschließen des Panels sollte man nur drauf achten das Panel vor dem Verbinden oder dem lösen der Verbindung abzudecken da es sonst Spannung liefert und es zu einem Funkensprung kommen könnte.

Bis jetzt hat sich die Anlage bewährt. Auch die Größe ist ausreichend. Im Winter bei kurzen Tagen und hohem Strombedarf durch die Heizung könnte es eng werden. Dann kann ich aber noch immer überlegen 100W zusätzlich auf dem Dach zu montieren. Den Regler habe ich jedenfalls groß genug ausgewählt. Wer nähere Infos zu der von mir verbauten Anlage möchte kann mich gerne kontaktieren. Allerdings ist dies keine Beratung durch einen Fachmann sondern spiegelt nur meine persönliche Meinung wieder.

Albanien – seid ihr verrückt?

Albanien-Seid ihr verrückt?

So oder so ähnlich waren die meisten Reaktionen unserer Freunde und Bekannte nachdem diese die Antwort auf die Frage nach unserm nächsten Reiseziel bekamen.
Doch keiner von denen hatte jemals das kleine Land auf dem westlichen Balkan besucht. Allenfalls zu Militärzeiten im Kosovo Dienst verrichtet.

Wir waren uns nach kurzen Recherchen aber einig dieses ursprüngliche, lange Zeit verschlossene Land zu bereisen. Wir nahmen uns 5 Wochen Zeit, somit konnten wir die Anreise über den Balkan bereits entspannt angehen.

Unsere Route führte uns mit Zwischenstopps in Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Montenegro an den Skutarisee im Norden Albaniens. Bereits auf der Anreise waren wir begeistert von der grandiosen Landschaft und den tiefblauen Seen. Nur beim Pistenfahren im Hinterland von Split kann es einem mulmig werden, wenn am Straßenrand gelbe Hinweistafeln auf vermintes Land hinweisen.

Ab der albanischen Grenze ändert sich alles. Plötzlich findet man sich wieder in einem fast arabisch anmutenden Gewimmel auf den Straßen. Dazu passt der Ruf des Muezzin in dem hauptsächlich muslimisch geprägten Land. Obwohl Albanien als Muster für Religionsfreiheit zählen kann. Alle großen Religionen leben hier friedlich nebeneinander. Auf den Straßen wechseln sich alte Mercedes Benz mit Eselkarren ab. Das einzige negative was sofort nach Grenzübertritt auffällt ist die starke Vermüllung an vielen Plätzen und der Geruch von verbranntem Müll. Dieser Geruch erinnerte uns sofort an die Townships Südafrikas, wo er allgegenwärtig ist.

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Unsere erste Anlaufadresse in Albanien ist das Lake Shkodra Resort. Ein wirklich schön angelegter Campingplatz direkt am See und Anlaufpunkt der meisten Albanienreisenden. Hier können wir Informationen austauschen und uns auf die nächsten Wochen in diesem Land vorbereiten. Es wird auch für die nächsten Tage der letzte Campingplatz sein den wir anfahren. Selbst wenn wir möchten, so werden wir erst wieder Campingplätze am Ohridsee finden. Die Albaner haben das Reisen für sich noch nicht entdeckt und Ausländer kommen noch immer recht wenige ins Land.

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Was sofort in den ersten Tagen auffällt ist die extreme Gastfreundschaft der Albaner. Auch dies typisch für muslimisch geprägte Länder, aber hier noch verbunden mit dem wirklichen Interesse an Fremden. So überrascht es uns nicht, dass als der Bankautomat uns keine Geld geben will der Bankdirektor unaufgefordert zu uns vor die Tür kommt um zu helfen. Ein anderes Mal kommen wir vom Börekkauf zurück und sind überrascht, dass zwei Ladenbesitzer unser Fahrzeug bewachen damit bloß nichts passiert.

Von Shkodra entscheiden wir das Land nach Osten zu durchqueren und dann der Grenze zum Kosovo und zu Mazedonien zu folgen. Dieser östliche Landesteil ist besonders ländlich und am wenigsten Besucht. Ein Grund ist mit Sicherheit auch, dass es keine asphaltierte Straße gen Süden gibt. So beschränken sich die meisten Besucher mit PKWs bzw. ihren Wohnmobilen auf die Küstenregion.

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In Kukes, die Stadt die während dem Kosovokrieg zu Weltrum kam als sie 100.000 von Flüchtlingen aufnahm und Zeltstädte rund um die Stadt errichtete, gehen auch wir der Lieblingsbeschäftigung der Albaner nach. Dem Flanieren. Es ist gerade Wochenende als wir in der Stadt ankommen. Nach einem Abendessen in einem stadtnahen Restaurant auf dessen Parkplatz wir auch übernachten dürfen entscheiden wir uns den Massen zu folgen. Zum Flanieren werden in albanischen Städten am Wochenende extra ganze Straßen gesperrt. Da unser Hund etwas Auslauf braucht beschließen wir ihn mitzunehmen. Dies führt an diesem Tag dazu, dass wir der Hingucker des Abends sind. Mit Sicherheit erzählen sich noch heute die Kinder die Geschichte von den drei Ausländern mit dem braunen Hund, der von einem kleine Mädchen an der Leine geführt wird. Unsere Tochter fühlte sich im Mittelpunkt pudelwohl und wollte die Leine nicht wieder aus der Hand geben. Als sie dann auch noch direkt neben einer Moschee das erste Mal den Ruf des Muezzin hören konnte war sie endgültig Fan von diesem ihr fremden Land. Der Muezzin wurde dann auch gleich lautstark aufgefordert weiter zu singen. Leider ohne Erfolg.

Von Kukes führt uns die Reise nach Süden. Bis hierher waren wir auf kleinen aber asphaltierten Straßen unterwegs. Das soll sich nun für die nächsten Tage ändern. So nehmen wir eine Schotterpiste direkt entlang der mazedonischen Grenze. Vier Tage brauchen wir bis wir den Ohridsee erreichen. Der See der zu zwei Drittel zu Mazedonien und zu einem Drittel zu Albanien gehört. In den drei Tagen besuchen wir quirlige Märkte, übernachten völlig einsam im größten Nationalpark Albaniens dem Shebenik-Jabllanice. Einem der letzen Bärengebiete und zünden jeden Abend ein Lagerfeuer an.

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Der Ohridsee empfängt uns mit Sonnenschein aber stürmischem Wind. Nachdem wir auf albanischer Seite keinen wirklichen Seezugang finden entscheiden wir uns den See einmal zu umrunden. Somit reisen wir nach nur wenigen Kilometern nach Mazedonien ein. Hier finden wir einen kleinen direkt am See gelegenen Campingplatz. Nach den Tagen in den Bergren haben wir eine warme Dusche nochmal nötig. Den Abend lassen wir windgeschützt hinter unserm Camper und Sonnenuntergang überm See ausklingen. In Ohrid entschließen wir uns spontan unsere Vorräte auf dem Markt aufzufüllen. Durch diesen Zufall finden wir einen der größten Märkte der Region. Hier wird fein säuberlich zwischen Obst- und Gemüsemarkt, Fleischmarkt, Fischmarkt in einer eigenen Markthalle und dem Werkzeugmarkt getrennt. Auch das auffüllen des Dieseltanks macht bei Preisen unter 90Cent mehr Spaß als im Rest Europas.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees wieder in Albanien entscheiden wir uns noch einmal für eine Nacht auf einem Campingplatz. Hier sind wir die einzigen Gäste auf einem kleinen wirklich sehr gepflegten Platz.

Unsere Reise führt uns nun weiter entlang der östlichen Landesgrenze nach Süden. Eigentlich wollen wir eine kleine Piste nach Berat nehmen, sind uns dann aber doch nicht sicher ob wir durchkommen und entscheiden uns weiter entlang der griechischen Grenze nach Gjirokastra zu fahren. Unterwegs machen wir an heißen Quellen halt um ein Bad zu nehmen. Dort treffen wir ein deutsches Pärchen das uns erzählt, dass in Gjirokastra am Wochenende das größte Folklorefestival Albaniens stattfindet. Wenn das mal keine Motivation ist.

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Nach einer weiteren sehr ruhigen Nacht direkt in einem Flussbett brechen wir früh am Morgen auf um das Festival und die Altstadt zu besuchen. Dank des Festivals fällt es nicht leicht einen Parkplatz zu finden. Nach einigem Suchen finden wir doch einen direkt an der Altstadt. Diese ist wirklich sehenswert. So vertreiben wir uns den ganzen Tag hier in den Gassen der Altstadt oder auf der Burgruine. Als wir am späten Nachmittag uns auf den Weg machen kommen gerade unsere Schweizer Reisebekannten an. So können wir denen unser Parkplatz vererben, was sie mit ihrem umgebauten Skibus freut.

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Von hier wollen wir an die Küste und ein paar Ruhetage auf einem Campingplatz genießen. So langsam müssen wir auch mal Wäsche waschen und uns um eine Fähre nach Italien bemühen. Dazu eignet sich wunderbar Camping Kranea in Livadh Beach. Der Besitzer dieses kleinen familiären Campingplatz ist super hilfsbereit, sucht uns alle möglichen Fährverbindungen raus und seine Frau kocht jeden Abend für die anwesenden Gäste für kleines Geld hervorragendes albanisches oder griechisches Essen. Schnell sind wir hier mit den anderen Reisenden im Gespräch und bekommen viele Tips zu Ländern wie Rumänien, Jordanien oder dem Iran. Somit könne wir gleich neue Reisepläne schmieden. Die Tage am Meer vergehen schnell, so brechen wir bald auf um unsere Fähre in Igoumenitsa in Griechenland zu bekommen. Zuvor machen wir aber noch einen Stopp in Butrint. Einer der größten römischen Ausgrabungen auf dem Balkan.

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In Griechenland beschließen wir auch noch einmal ein paar Tage am Meer zu verbringen bevor es weiter nach Italien geht.

Albanien begeisterte uns mit seiner unglaublichen Gastfreundschaft, dem ehrlichen Interesse an Fremden und seiner authentischen natürlichen Art. Es wird bestimmt nicht die letzte Reise in dieses Land gewesen sein. Hier warten noch viele Pisten um unter die Räder genommen zu werden. Aber bei all der Begeisterung dürfen auch die kritischen Stimmen nicht fehlen. Albanien ist kein einfaches Reiseland. Man muss sich als Reisender auf dieses Land einlassen. Müll findet man an jedem Eck, arglos weggeworfen. Supermärkte sind quasi nicht vorhanden. Der Einkauf findet meist in kleinen Tante Emma Läden oder auf dem Markt statt. Ein Einkaufszettel ist nicht nötig, denn es wird das gekauft was gerade verfügbar ist. Jeder Reisende der sich auf solche Umstände einlassen kann und will wird in Albanien ein wunderbares Reiseland finden.

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Coleman vs Omnia

In den letzten Wochen hatten wir die Gelegenheit den Coleman Oven gegen den Omnia Oven zu testen.

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Der erste Eindruck beider Geräte ist hervorragend. Sie sind top verarbeitet und aus sehr gutem Material gearbeitet. Der Omnia kommt zusätzlich noch in einer schönen Tasche daher und ist nach dem auspacken sofort einsatzbereit. Der Coleman kommt zusammengefaltet in seiner Verpackung. Leider hat er keine Tasche, somit muss er immer wieder in seiner Verpackung verstaut werden. Zudem muss er um ihn Einsatzbereit zu machen erst zusammengesteckt werden. Das geht allerdings recht flott. Nur der Verschluss der Seitenteile ist etwas klein ausgefallen und daher etwas Fummelei.

Der große Vorteil des Coleman ist eindeutig seine Form. Nach dem Zusammenbau sieht er durch seine Form wie ein richtiger Ofen aus. Mit einem Rost lassen sich wunderbar Pizzen usw. zubereiten. Allerdings gibt es keinen Vorteil ohne Nachteile. Die größere Bauform des Coleman braucht auch im Vergleich zum Omnia deutlich länger bis sie warm ist und verbraucht somit mehr wertvolles Gas. Wir haben es nicht geschafft den Coleman mit einer Gasflamme über 120°C zu erwärmen. Auch die Größe kann Probleme machen. Bei unserem Zwei-Flammenkocher hat der Coleman gerade so drauf gepasst. Die Glasabdeckung stieß auf der Rückseite am Ofen an, was zu einer Erwärmung der selbigen führte. Wir nutzten den Coleman um in einer separaten Form einen Kuchen zu backen. Dieser wurde sehr gleichmäßig gebacken. Beim herausnehmen aus der Form merkte man keinen Unterschied zu einem normalen Ofen. Der Ofen war auch relativ schnell wieder kalt. Der Bereich um den Ofen und auch der Bereich über dem Ofen hat sich nicht sonderlich erwärmt.

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Der Omniaofen dient selbst als Form. Durch seine kleinere Bauform erwärmt er sich auch schneller. Allerdings muss man sehr vorsichtig beim Backen sein, damit der Boden nicht anbrennt. Durch seine Form eignet sich der Omnia hauptsächlich zum zubereiten von Brot, Kuchen oder Aufläufen. Eine Pizza im Omnia wird schon schwieriger. Hier bietet es sich an eine Galzone zuzubereiten. Man heizt ihn am besten mit niedrigerer Flamme an. Die Erwärmung der Umgebung ist mit dem Omnia etwas niedriger.

Beide Ofen haben uns überzeugt. Beide auf ihre Weise. Die Handhabung des Omnia ist sicherlich einfacher. Allerdings stört uns da die große Temperatur unten und vergleichsweise niedrige Temperatur oben. Er eignet sich hervorragend für alle Backwaren wie Brot oder Kuchen.

Beim Coleman überzeugt uns die hervorragende Temperaturverteilung. Allerdings ist er etwas umständlicher in der Handhabung und benötigt auf der Kochstelle deutlich mehr Platz. Schön fänden wir eine Tasche für den Coleman um ihn besser zu verstauen.

Eine klare Empfehlung können und wollen wir nicht aussprechen. Jeder muss sich Gedanken machen was man mit dem Ofen hauptsächlich vor hat und entscheiden welcher für seine Bedürfnisse der Bessere ist.

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Rumänien Teil 2

Nachdem wir die touristischen Highlights und die Pisten Transsilvaniens hinter uns gebracht haben, entschieden wir uns der Küste am Schwarzen Meer einen Abstecher zu bereiten.

Die Fahrt von Bran nach Konstanta führt zuerst ein weiteres Mal von Nord nach Süd durch die Karpaten. Um nun etwas zügiger voranzukommen entscheiden wir uns für eine der Hauptstraßen des Landes. Leider ohne Erfolg, denn es sind auch in Rumänien Schulferien. So machen sich viele Städter auf den Weg in die kleinen, sehr schön hergerichteten Dörfer in den Bergen. Lange vor Sinaia stehen wir bereits im Stau. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir den Großraum Bukarest und entscheiden uns für einen Zwischenstopp am Snagovsee nur wenige Kilometer nördlich von Bukarest. Auch hierhin hat es viele Bukarester verschlagen die hier Entspannung oder Party suchen.

Am nächsten Morgen nehmen wir die letzten 200km bis zum Schwarzen Meer unter die Räder.

Über den Bukarester Ring und die A2 ist Konstanta schnell erreicht. Wir halten uns schon vor Konstanta in Richtung Norden, da unser darauf folgendes Ziel das Donaudelta sein soll.

Gleich hinter Konstanta folgen die Ferienorte Mamaia und Navodari. Wir fahren einen empfohlenen Campingplatz in Mamaia an. Hier bleiben wir ganze 5 Minuten. Der Platz ist so voll, dass ohne Zelte zu verrücken für uns kein Platz mehr wäre. Die Dame am Empfang kann es gar nicht verstehen, dass uns dieser Platz nicht gefällt, als wir unser Geld für den bereits gezahlten Aufenthalt zurück verlangen. Ein paar Kilometer weiter nördlich am Rande von Navodari finden wir ein ruhigeres Plätzchen für uns. Es ist mit Sicherheit nicht der beste Platz auf dem wir drei Nächte verbringen, aber unter Blinden ist der Einäugige König.

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Gleich nach der Ankunft stürmt Feline euphorisch in Richtung Meer um dann entsetzt festzustellen, dass das Schwarze Meer gar nicht schwarz ist. Wir verbringen 4 typische Urlaubstage am Strand von Navodari. Besonders Feline hat viel Spaß am Strand und bei den abendlichen Spaziergängen über die Promenade von Navodari.

Länger hätte uns hier nichts gehalten. Uns ist die Küste einfach zu voll. Somit geht die Reise weiter bis zum Scheitelpunk der gesamten Tour. Nach 170km erreichen wir den Ort Tulcea, der als Tour zum Donaudelta gilt. Wir entscheiden uns für einen der wenigen Campingplätze direkt im Delta. Dazu müssen wir mit der Fähre über den südlichsten Donauarm, Bratul St. Gheorghe übersetzen. Allein diese Überfahrt ist schon ein Erlebnis. Gerade einmal wir und vier weitere PKW passen auf die Fähre. Sowohl Auffahrt als auch Abfahrt ist einfach ein etwas verdichteter Strand. Wir müssen mit unserem dicken Oldtimer genau passend stehen, da sonst das Ponton nicht im Gleichgewicht ist und am Strand aufsetzt. Durch zentimetergenaues Verrollen verhelfen wir dem schwimmenden Ponton wieder zu Wasser unter dem Kiel.

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Der Campingplatz in Partizani entpuppt sich als kleines Idyll mitten im Donaudelta am breitesten der drei Hauptärme, dem Bratul Sulina. Auch hier entscheiden wir uns länger zu bleiben und die absolute Ruhe nach den hektischen Tagen am Strand zu genießen. Die Tage vergehen schnell mit langen Spaziergängen durchs Delta, Abkühlungen im hauseigenen Pool und dem Baden von Würmchen an der Angel. Letztes leider ohne Erfolg. Trotzdem kommt abends frischer Fisch auf den Tisch. Die alten Donaufischer waren erfolgreicher als wir.

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Auch in die Trinkgepflogenheiten der Rumänen darf ich mich einführen lassen. Ich lernte soviel rumänisch wie sonst in vielen Kursen an der VHS, nur leider habe ich alles vergessen nachdem ich wieder nüchtern war. Eine ganz wichtige Sache habe ich mir gemerkt! Schnaps wird aus Wassergläsern getrunken!

Nun haben wir den Scheitelpunkt unserer Reise erreicht. Weiter nach Osten geht es an dieser Stelle nicht mehr. Jetzt schmieden wir Pläne wie unsere weitere Reise aussehen könnte. Wir diskutieren lange, ob wir den ganzen Weg durch Rumänien wieder zurück zur ungarischen Grenze fahren und dann weiter über die Slowakei und Tschechien oder ob wir nach Norden fahren und uns den langwierigen Grenzkontrollen der Ukrainer stellen und Richtung Liviv fahren. Ein Visum für die Ukraine brauchen wir nicht, nur der Nachweis über genügend Devisen und den Nachweis einer gültigen Auslandskrankenversicherung. Letzteres haben wir leider nicht mit und müssten sie per Mail von unserer Versicherung anfordern. Da uns der ganze Aufwand zu groß ist entscheiden wir uns die Nordkarpaten und somit die Ukraine auf eine spätere Reise zu verschieben. Stattdessen soll es zurück auf die Nordseite der Karpaten gehen und von dort weiter in den Norden Rumäniens entlang der ukrainischen Grenze nach Satu Mare. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass alles anders kommen soll!

Von Tulcea führt uns unser Weg Richtung Braila. Kurz vor dieser großen Stadt wartet ein natürliches Hindernis auf uns, die Donau. Bis heute wurde hier an der Europastraße noch keine Brücke über die Donau gebaut und alle Fahrzeuge müssen auf kleine Fähren verladen werden. Dabei gibt es extra Fähren für PKW und eine für LKW. Natürlich müssen wir die für LKW nehmen und natürlich ist dort am meisten los. Die sehr netten rumänischen Fernfahrer die in brütender Sonne anstehen haben alle ein erbarmen mit uns schwitzenden Touris und lassen uns vor und somit als erste auf die Fähre! Das war wirklich sehr nett und hat ein riesiges Dankeschön verdient.

Generell haben wir durch die Bank nur nette und sehr hilfsbereite Rumänen kennengelernt. Jeder hat versucht mit seinen wenigen Brocken Englisch oder Deutsch uns weiterzuhelfen. Egal ob beim Suchen nach dem richtigen Weg oder beim Einkauf im Magazin Mixt, dem rumänischen Tante Emma Laden.

Von Braila geht es in die Karpaten. Hier finden wir einen sehr schönen Nachtplatz am Fuße des einzigen Schlammvulkans auf dem europäischen Festland. Leider kommen wir erst sehr spät Abends an, da das Suchen der richtigen Piste ein wirkliches Problem war. Weder Karte noch GPS konnte uns den richtigen Weg zeigen und so mussten wir nach einiger Zeit auf einer immer schmäler werdenden Piste umdrehen. Hier auf einem etwas breiteren Ziegenpfad war definitiv kein durchkommen für unseren dicken Ludwig.

Von den Vulkanen geht es weiter Richtung Norden, wir wollen ja noch immer nach Maramures in den Norden Rumäniens. Kurz vor der Mittagspause auf einer der zahlreichen Passstraßen will ich einen Gang zurück schalten und plötzlich kommt das Kupplungspedal nicht mehr zurück! Da das Schalten kaum mehr funktioniert entscheiden wir uns die Mittagspause vorzuverlegen. Während Sabine und Feline das Mittagessen vorbereiten, lege ich den Kupplungsgeberzylinder frei und inspiziere ihn. Er ist trocken. Hmm, dann kann es nur der Nehmerzylinder sein, also Fahrerhaus leer räumen und kippen. Auch dieser ist fast trocken, das bisschen was er verliert kann nicht den Druckverlust erzeugen. Auch Flüssigkeit ist vorhanden. Also muss Ludwig in die Werkstatt. Somit ist der neue Plan schnell gemacht. Wir fahren nach Brasov, der nächsten größeren Stadt. Mit viel Mühe und Zwischengas um ohne Kupplung schalten zu können kommen wir am frühen Nachmittag in Brasov an. Gleich die erste Werkstatt fahren wir an um erfahren zu müssen, dass heute Samstag ist und alle Werkstätten geschlossen haben. Das typische Los von Langzeitreisenden, man vergisst die Wochentage! Jetzt sitzen wir erst einmal 2 Tage fest, bevor wir was machen können. Plötzlich fällt uns ein, dass wir einen Campingplatz mit WiFi zwischen Brasov und Sibiu kennen. Den fahren wir an, denn mit dem dort vorhanden WiFi können wir besser eine Werkstatt ausfindig machen.

Cirta

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Das Wochenende verbringen wir wieder mit entspannen, recherchieren und Kuchen backen. Dank unseres hervorragenden Coleman Ofen ist der Sonntag bei Kaffee und Kuchen gerettet und unsere niederländischen Nachbarn plötzlich ziemlich beste Freunde.

Durch einen Eintrag in einem Overlander Forum bekomme ich die Telefonnummer eines nahe von Sibiu lebenden Rallyemechanikers. Dieser wird gleich am Montag morgen kontaktiert. Spontan können wir bei ihm vorbei kommen. Er ist genau wie ich etwas überrascht, dass keiner der Zylinder Druck verliert. Nach einigen Versuchen das System zu entlüften stellen wir fest, dass der Geberzylinder keinen Druck aufbaut. Also ist doch er der Übeltäter. Noch während ich am Nachdenken bin wo wir jetzt auf die schnelle einen neuen Zylinder herbekommen hat Dan das Teil komplett zerlegt. 32 Jahre alter Schmutz hat ihn blockiert. In Windeseile hat Dan den Zylinder gereinigt und wieder zusammengesetzt. Jetzt nur noch schnell der Einbau, entlüften, Flüssigkeit nachfüllen und für das ganze 20€ und eine Flasche Wein bezahlen, schon sind wir wieder auf der Straße.

Da die Reparatur viel schneller ging als erwartet finden wir Zeit uns Sibiu genauer anzuschauen. Sibiu auch Hermannstadt genannt ist die Hauptstadt Siebenbürgens, dem heutigen Transsilvanien.
Hier wurden lange vor den Weltkriegen deutschstämmige angesiedelt um die Ostgrenzen zu sichern und das Land fruchtbar zu machen. Die Zeitzeugen dieser Siebenbürgen Sachsen genannten deutschen Minderheit ist heute noch zu erkennen. Leider finden wir keinen Parkplatz in der Stadt. So muss der Besuch Sibius auf den Abend verlegt werden. Erst suchen wir uns einen stadtnahen Campingplatz und fahren anschließend den gleichen Weg nochmal mit dem Taxi in die Stadt. Sibiu ist wunderbar zu Fuß zu erkunden. Das Zentrum bewegt sich um die drei größten Plätze der Stadt und ist den Fußgängern vorbehalten. In einem sehr deutsch klingenden Wirtshaus lassen wir den Tag ausklingen.

Subiu

Von Sibiu entscheiden wir uns die Rückreise über Ungarn und Österreich anzutreten, da nun unsere noch verbleibende Zeit zu knapp ist, um die Slowakei und Tschechien ausgiebig zu bereisen.
Österreich klingt für uns auch nach Erholung, so entscheiden wir uns noch ein paar Tage in den Alpen zu verbringen.

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Nach einer letzten Nacht in der Nähe von Arad nehmen wir die recht lange Transitstrecke in die Alpen in Angriff. Damit wir dem Transitverkehr aus dem Weg gehen können entscheiden wir uns für den kleinsten Grenzübergang nach Ungarn. Leider war dies eine klassische Fehlentscheidung, denn die Grenzer weigern sich ein Fahrzeug über 7,5t abzufertigen. Auch alle Argumentation, dass wir Touristen in einem Camper sind und kein zu verzollender Truck helfen nicht. Wir müssen umdrehen, wieder in Rumänien einreisen und den großen Grenzübergang in Nadlac anfahren. Hier erwischen wir einen der „nettesten“ ungarischen Grenzschützer. Durch Klopfzeichen an die Fahrzeugtür gibt er uns zu verstehen, dass ihm das Rauskramen der Zulassung zu lange dauert. Dadurch verursacht er allerdings keine Beschleunigung bei uns, was dazu führt dass seine Passkontrolle langsamer wird, die Pässe mehrmals die Beamten wechseln und er unser Fahrzeug inspizieren möchte. Jetzt sind wir endlich in Ungarn, somit wieder im Schengenraum und können Grenzenlos bis ins Saarland reisen. Falsch gedacht, zur heutigen Zeit ist alles anders.

Aber erst einmal der Reihe nach. Wir erreichen in den frühen Abendstunden Györ, die letzte größere Stadt vor der österreichischen Grenze. Hier bleiben wir über Nacht um am nächsten Tag früh die 8h nach Tirol in Angriff zu nehmen. Nach einer Stunde Fahrt ist es aber wieder vorbei mit zügigem vorwärts kommen. Österreich macht in Nickelsdorf die Grenze dicht und kontrolliert jeden einreisenden. Der österreichische Grenzschützer ist von unserem Fahrzeug so angetan, dass er es natürlich sehen will und alle technischen Details wissen will. Danach noch ein Plausch über unsere bisherige Reise und ein Herzliches Willkommen in Österreich. Auch dies soll nicht die letzte Kontrolle gewesen sein!

Wo wir gerade auf dem Grenzhof stehen entscheide ich mich hier die Go-Box (Österreichische LKW Maut) wieder aufzuladen. Ein mittelgroßer Fehler. Der Herr der Asfinag, der österreichischen Autobahngesellschaft ist erst sehr nett. Als er die Go-Box ausliest fragt er verwundert, ob denn unsere Emmisionsklasse wirklich 1 sein. Ich verneine, sage ihm, dass sie sogar 0 ist. Darauf hin bekommen ich klargemacht, dass in Österreich seit 2014 ein ganzjähriges Fahrverbot für Euro 0 LKW besteht. Sehr schnell fangen meine Hirnwindungen an parallel zum Diskutieren auch die Europakarte abzurufen. Alternative? Doch Slowakei und Tschechien? Moment, ein Argument habe ich ja noch. Wir sind ein Oldtimer! Daraufhin laufen die Telefondrähte in dem kleinen Büro heiß und ich involviere zwischenzeitlich vier Mitarbeiter in mein Anliegen die Maut bezahlen zu dürfen. Hätte ich dies bloß an einer Tankstelle gemacht, statt hier direkt bei der Asfinag denke ich mir noch als ich grünes Licht bekomme. Oldtimer sind von dieser Regelung ausgenommen.

Nun kann es aber zügig durch die gesamte Republik gehen. Vorbei an Wien und Linz kommen wir nach Salzburg. Doch plötzlich Stau. Auch Deutschland hat wieder Grenzkontrollen eingeführt. Diesmal will aber keiner unser Fahrzeug sehen. Vielleicht kennen die Beamten aus Rosenheim noch unseren Ludwig aus früheren Zeiten, ist er doch bei der Polizei in Bayern gelaufen.

Nach 9h erreichen wir Tirol und entscheiden uns hier noch ein paar Tage zu bleiben bevor wir weiter Richtung Saarland Reisen. Den regnerischen Tag in den Bergen verbringen wir mit dem Herrichten unseres Trucks. Auf den letzten 6000km durch Südosteuropa musste er einiges einstecken.

Plansee

Nach der Reise ist bekanntlich vor der Reise, so muss unser Ludwig fit sein um in 3 Wochen zu einem der größten Globetrottertreffen in Europa zu fahren, bevor es im Oktober wieder auf eine fünfwöchige Tour geht. Mehr dazu aber wenn es soweit ist.

Die Maut in der EU- Ein Brief mit sieben Siegeln!

Europa, besser gesagt die EU, hier soll etwas großes zusammen wachsen. Sobald man aber mal länger in Europa unterwegs ist, merkt man wie unterschiedlich die EU noch tickt!

Das fängt beim Nichtraucherschutzgesetz an, das eigentlich eine EU Vorgabe aus Brüssel ist. Nur komisch, dass es noch immer Länder in der EU gibt, die diese Vorgabe noch nicht umgesetzt haben. Das geht weiter über Grenzkontrollen innerhalb der EU. Besonders kurios wird es wenn man sich das europäische Mautsystem anschaut. Hier kocht jedes Mitgliedsland noch sein eigenes Süppchen. Ist es im PKW Bereich noch recht klar, so wird es bei einem Camper oder Wohnmobil schon schwieriger. Ein gutes Beispiel ist Frankreich. Fahre ich einen ausgebauten Bus durch Frankreich werde ich frei nach Schnauze als PKW oder machmal auch als Transporter abgerechnet. Dabei ist die Fahrzeugkategorie fest geregelt. Nur nicht jeder Mitarbeiter wendet diese Regel an. Manchmal hilft da nur das hartnäckige Diskutieren.

Ganz kurios wird es wenn man ein schweres Reisemobil bewegt. In Deutschland sind Reisemobile zum Glück von der Maut befreit. In Österreich dagegen zahlt jedes Fahrzeug über 3,5t zGw eine kilometerabhängige Maut. Abgerechnet wird diese über eine sogenannte On-Board-Unit. Komplizierter wird es wenn ich weiter nach Osten reise. In Ungarn gibt es ebenfalls eine kilometerabhängige Maut für schwere Fahrzeuge. Auch hier braucht man eine On-Board-Unit, aber natürlich nicht die gleiche wie in Österreich. Allerdings macht Ungarn auch Ausnahmen. So müssen Wohnmobile, bzw. Fahrzeuge mit Wohnaufbau nur die Bus Maut (Klasse D2) zahlen. Allerdings gibt es hier keine Definition was ein Wohnaufbau ist! Die Zahlung der PKW- bzw. Busmaut wird in Ungarn mit einer Vignette nachgewiesen. Diese wird aber nicht wie in Österreich oder der Schweiz an die Scheibe geklebt, sondern sie ist online hinterlegt und eine Datenbank gleicht per Videoüberwachung die Nummernschilder ab. Sehr innovativ, nur blöd dass diese voll automatische Überwachung nicht den Unterschied zwischen einem 9t Fahrzeug zur Güterbeförderung und einem 9t Fahrzeug mit Wohnaufbau kennt. So gibt es berichte von Reisenden, die große Strafforderungen bekommen haben und nur mit hartnäckigem Diskutieren und argumentieren das Land ohne zu zahlen verlassen durften.

In Rumänien wiederum wird auch die LKW per Vignette nachgewiesen. Dort sind allerdings Reisemobile ebenfalls ausgenommen und müssen nur die PKW Maut zahlen. In Rumänien allerdings wird die Maut nicht nur auf Autobahnen und Nationalstraßen fällig, nein es ist eine generelle Straßenbenutzungsgebühr.

In Tschechien brauche ich wieder eine On-Board-Unit, aber bitte nicht die gleiche wie in Deutschland, Österreich oder Ungarn und schon garnicht die gleiche wie in der Slowakei. Dort wird nämlich ebenfalls die LKW Maut kilometerabhängig über einen On Board Unit erhoben. Kann ich meine OBU aus Österreich behalten, z.B. für die nächst Reise, so sollte ich das in der Slowakei vermeiden. Wird nämlich die OBU nicht genutzt und nach verlassen des Landes nicht zurück gegeben fallt eine Strafe von 240€ an.

Schön wäre es, wenn sich die EU auf ein einheitliches System einigen könnte. Sowohl bei der PKW/ Wohnmobilmaut als auch bei der LKW Maut wäre es so für viele Reisende leichter!

In diesem Sinne, see you on the road again!